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Vorläufige Einschränkung der Vorratsdatenspeicherung und neues Muster für Widerrufsbelehrung im Online-Handel
Von Rechtsanwalt Willi Marnet,
LL.M.
Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung
teilweise gestoppt
In einem Eilverfahren hat das Bundesverfassungsgericht
Teile des Gesetzes zur massenhaften Speicherung von
Telefon- und Internetverbindungsdaten vorläufig
für die Dauer eines halben Jahres ausgesetzt.
Demnach dürfen die Verbindungsdaten (nicht die
Inhalte) zwar weiter ein halbes Jahr lang gespeichert,
aber nur für die Verfolgung besonders schwerer
Straftaten von den Strafverfolgungsbehörden genutzt
werden. Die Richter begründen diese Entscheidung
(Beschluss vom 11. März 2008 – 1 BvR 256/08)
damit, dass den Bürgern Nachteile von ganz erheblichem
Gewicht drohen, weil mit Hilfe der Daten weitreichende
Erkenntnisse über ihr Kommunikationsverhalten
gewonnen werden könnten.
Somit besteht die Möglichkeit,
dass das Bundesverfassungsgericht das Gesetz im Laufe
des Jahres insgesamt wegen Unverhältnismäßigkeit
kippt, da die Vorratsdatenspeicherung Millionen von
Menschen betrifft, die sich nicht verdächtig gemacht
haben.
Für Internetverbindungen einschließlich
E-Mail-Verkehr und die Internet-Telefonie gilt eine Übergangsfrist
bis Januar 2009. Deshalb wurden diese Verkehrsdaten
bislang kaum von den Providern gespeichert. Möglicherweise
wird es nun nicht mehr zur Verpflichtung der Speicherung
dieser Daten kommen.
Seit dem 1. April 2008
gibt es eine neue, überarbeitete Musterwiderrufsbelehrung
Die Anlage 2 und 3 zur BGB-Informationspflichten-Verordnung
enthält ein Muster für die Belehrung über
das Widerrufs- und Rückgaberecht im Online-Handel,
das in der Vergangenheit zu wettbewerbsrechtlichen
Abmahnungen und unterschiedlichen Gerichtsurteilen
geführt hat. Die Absicht des Gesetzgebers, die
Unternehmer im Fernabsatz zu unterstützen, hat
sich damit ins Gegenteil verkehrt und zu einer Rechtsunsicherheit
im Umgang mit den Musterbelehrungen geführt.
Das Bundesjustizministerium hat
nunmehr darauf reagiert und die Musterbelehrungen überarbeitet
sowie die dazugehörigen Gestaltungs- und Verwendungshinweise
aktualisiert. Sie gelten seit dem 1. April 2008, wobei
die Unternehmer noch innerhalb einer Übergangsfrist
bis zum 1. Oktober 2008 das bislang geltende Muster
verwenden dürfen.
Allerdings wird die Neufassung
der Musterbelehrung bereits vielfach kritisiert, da
nur eine gesetzlich verankerte Widerrufsbelehrung die
Gerichte bindet. Diesen Schritt will der Gesetzgeber
aber erst zu einem späteren Zeitpunkt vollziehen.
Es bleibt deshalb abzuwarten, ob das neue Muster für
die Belehrung über das Widerrufs- und Rückgaberecht
tatsächlich zu mehr Rechtssicherheit beiträgt.
Archivierte Themen:
2010
Zusätzliche Informationspflichten für Dienstleistungsunternehmen (Mai)
Zur Aktualität von Preisangaben und der Angabe von Versandkosten in Preissuchmaschinen (Apr.)
Änderungen für 0180-Nummern seit 1. März 2010 (Mrz.)
Vorsicht bei der Installation einer „Tell-a-friend-Funktion“ auf einer kommerziellen Website (Jan.)
2009
Keine Telefonnummer in der Widerrufsbelehrung (Okt.)
Neue Widerrufsbelehrung für den Online-Handel mit Dienstleistungen (Aug.)
Beschlagnahme von E-Mails beim Provider (Juni)
Zur Zulässigkeit der AdWord-Werbung bei Google (März)
Auswirkungen der neuen Verpackungsordnung (Jan.)
2008
Archivierung
von Webseiten und Blogs durch die DNB (Dez.)
Impressum
muss nicht zwingend Telefonnummer enthalten (Nov.)
Neues
Gesetz erleichtert Urheber Durchsetzung seiner Ansprüche (Sept.)
Vorläufige
Einschränkung der Vorratsdatenspeicherung (Juni)
Heimliche
Online-Durchsuchung (April)
Neue gesetzliche Regelungen im
Online-Recht (Jan.)
2007
Mehr Transparenz bei Preisangaben
im Web...
(Nov.)
Zur Haftung des Admin-C als Bevollmächtigter...
(Sept.)
Rechtliche Aspekte zu Blogs... (Juli)
Neues TMG und Staatsvertrag für
Rundfunk und Telemedien... (April)
Pflichtangaben auch für geschäftliche
E-Mails (Feb.)
Die Verwendung eines unrichtigen
Musterformulars zum Online-Widerrufsrecht und seine Rechtsfolgen (Jan.)
2006
Unbegrenzte Haftung für Hyperlinks
(Nov.)
Die rechtliche Bewertung von Keyword-Advertising
(Aug.)
Heilmittelwerbung im Internet
(Mai)
Preisangaben und Versandkosten im
Online-Handel (März)
2005
Urheberrechtlicher
Schutz von Websites (Dez.)
Weblogs
und die Grenzen der Meinungs- und Werbefreiheit (Okt.)
Die
Löschung von Werbe-Mails durch den Arbeitgeber (Aug.)
Internet-Rechtsfälle mit Auslandsbezug (Juni)
Spam-Mails ... und kein Ende (März)
Domain-Grabbing
und die Registrierung von Gattungsbegriffen als Web-Adressen (Jan.)
2004
Werbung
in Form von Meta-Tags (Okt.)
Abpfiff
für Spam und Co (Aug.)
Gratwanderung
zw. zulässigem
Newsletter u. illegalem Spam (April)
Gefährliche
Werbewelt (März)
Wirkungslose
Disclaimer (Jan./Feb.)
2003
Rechtliches
Aus für Tauschbörsen? (Dez.)
Meine
E-Mail, Deine E-Mail (Nov.)
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