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Thema: Die heimliche Online-Durchsuchung ist nur eingeschränkt möglich

Von Rechtsanwalt Willi Marnet, LL.M.

Neues Computer-Grundrecht

Heimliche Online-Durchsuchungen von privaten PC`s durch staatliche Behörden stellen einen schwerwiegenden Eingriff in die digitale Privatsphäre des Bürgers dar. Anlässlich der rechtlichen Prüfung einzelner Bestimmungen des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzgesetzes zur heimlichen Online-Durchsuchung hat das  Bundesverfassungsgericht ein neues Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme entwickelt. Somit besteht ein Grundrecht auf vertrauliche Nutzung des eigenen Computers, das nur dann eingeschränkt werden darf, wenn tatsächliche Anhaltspunkte einer konkreten Gefahr für ein überragend wichtiges Rechtsgut, wie Leib und Leben, Freiheit der Person oder Bedrohung der Staatsgrundlage bestehen. Geschützt werden Daten auf der Festplatte des Computers, im Arbeitsspeicher, auf Servern, die mit dem eigenen Rechner direkt verknüpft sind, auf Laptops und Mobiltelefonen. Geringere Anforderungen hat das Bundesverfassungsgericht an die Überwachung von Internet-Telefonaten vor ihrer Verschlüsselung gestellt, soweit technisch und rechtlich sichergestellt ist, dass ausschließlich laufende Telefonate abgehört werden.

Der Kernbereich privater Lebensgestaltung ist unantastbar

Zur vorbeugenden Bekämpfung schwerer Straftaten wie Mord, Geiselnahme oder Terroranschlägen darf eine Online-Durchsuchung nach den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts nur dann durchgeführt werden, wenn ein konkreter Verdacht vorliegt und sie richterlich angeordnet ist. Ungeachtet dessen darf auch eine erlaubte Durchsuchung nicht dazu führen, dass Daten, die den Kernbereich privater Lebensgestaltung betreffen, erhoben werden. Führt der Einsatz eines so genannten Bundestrojaners zwecks Terrorbekämpfung zu einer vollständigen Ausspähung der Festplatte, so muss zumindest gewährleistet sein, dass ein zwischengeschalteter Richter die heimlich kopierten Dateien auf private Dateien durchsucht und diese gegebenenfalls löscht, damit sie nicht an die Ermittlungsbehörden weitergeleitet werden.

Hohe Hürden für eine Novellierung des BKA-Gesetzes

Die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts werden den Gesetzgeber im Hinblick auf die Novellierung des BKA-Gesetzes zur präventiven Bekämpfung des internationalen Terrorismus vor technische und auch wirtschaftliche Herausforderungen stellen. Dies gilt insbesondere in Bezug auf die Ausgestaltung des Schutzes der unantastbaren digitalen Privatsphäre vor staatlichem Zugriff. Erste Bedenken werden bereits dahingehend geäußert, inwieweit die bestehende Anzahl von Ermittlungsrichtern in der Lage sein wird, die gesamte Festplatte eines Verdächtigen auf private Dateien zu durchsuchen.

 


Archivierte Themen:

2010
Zusätzliche Informationspflichten für Dienstleistungsunternehmen (Mai)
Zur Aktualität von Preisangaben und der Angabe von Versandkosten in Preissuchmaschinen (Apr.)
Änderungen für 0180-Nummern seit 1. März 2010 (Mrz.)
Vorsicht bei der Installation einer „Tell-a-friend-Funktion“ auf einer kommerziellen Website (Jan.)

2009
Keine Telefonnummer in der Widerrufsbelehrung (Okt.)
Neue Widerrufsbelehrung für den Online-Handel mit Dienstleistungen (Aug.)
Beschlagnahme von E-Mails beim Provider (Juni)
Zur Zulässigkeit der AdWord-Werbung bei Google (März)
Auswirkungen der neuen Verpackungsordnung (Jan.)

2008
Archivierung von Webseiten und Blogs durch die DNB (Dez.)
Impressum muss nicht zwingend Telefonnummer enthalten (Nov.)
Neues Gesetz erleichtert Urheber Durchsetzung seiner Ansprüche (Sept.)
Vorläufige Einschränkung der Vorratsdatenspeicherung (Juni)
Heimliche Online-Durchsuchung (April)
Neue gesetzliche Regelungen im Online-Recht (Jan.)

2007
Mehr Transparenz bei Preisangaben im Web... (Nov.)
Zur Haftung des Admin-C als Bevollmächtigter... (Sept.)
Rechtliche Aspekte zu Blogs... (Juli)
Neues TMG und Staatsvertrag für Rundfunk und Telemedien... (April)
Pflichtangaben auch für geschäftliche E-Mails (Feb.)
Die Verwendung eines unrichtigen Musterformulars zum Online-Widerrufsrecht und seine Rechtsfolgen (Jan.)

2006
Unbegrenzte Haftung für Hyperlinks (Nov.)
Die rechtliche Bewertung von Keyword-Advertising (Aug.)
Heilmittelwerbung im Internet (Mai)
Preisangaben und Versandkosten im Online-Handel (März)

2005
Urheberrechtlicher Schutz von Websites (Dez.)
Weblogs und die Grenzen der Meinungs- und Werbefreiheit (Okt.)
Die Löschung von Werbe-Mails durch den Arbeitgeber (Aug.)
Internet-Rechtsfälle mit Auslandsbezug (Juni)
Spam-Mails ... und kein Ende (März)
Domain-Grabbing und die Registrierung von Gattungsbegriffen als Web-Adressen (Jan.)

2004
Werbung in Form von Meta-Tags (Okt.)
Abpfiff für Spam und Co (Aug.)
Gratwanderung zw. zulässigem Newsletter u. illegalem Spam (April)
Gefährliche Werbewelt (März)
Wirkungslose Disclaimer (Jan./Feb.)

2003
Rechtliches Aus für Tauschbörsen? (Dez.)
Meine E-Mail, Deine E-Mail (Nov.)

 

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Willi Marnet

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Letzte Aktualisierung:
26. Juli 2010

 
 
 
   

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